Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Warum Gentechnikfreie Regionen gründen?

In der EU sind derzeit zwei gentechnisch veränderte Pflanzen zum Anbau zugelassen: der Mais Mon810 von Monsanto und die Kartoffel Amflora der BASF. Während der Mon 810 seit 2009 in Deutschland verboten ist, wächst Amflora 2011 auf zwei Hektar in Sachsen-Anhalt. Allerdings stehen noch mehr als zwanzig Pflanzen auf der Warteliste für eine Anbauzulassung. Da bisher noch nie eine Zulassung abgelehnt wurde, werden auch in Deutschland künftig mehr Gentech-Pflanzen angebaut werden dürfen.

Ein großflächiger Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bedroht die gentechnikfreie Produktion konventionell und ökologisch wirtschaftender Landwirte und Imker und damit die Wahlfreiheit. Denn überall können Gentech-Pflanzen biologische und konventionelle Produkte kontaminieren: im Saatgut, auf dem Feld, während Lagerung, bei Transport und Verarbeitung. Je mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, desto höher wird der Aufwand, Verunreinigungen zu vermeiden.

Eine Möglichkeit, die Gentechnikfreiheit dauerhaft zu schützen, besteht in der Schaffung von freiwilligen Gentechnikfreien Regionen. Diese verringern nicht nur die Gefahr gentechnischer Verunreinigung, sie leisten noch viel mehr:

1. Gentechnikfreie Regionen fördern die Partnerschaft zwischen Bauern und Verbrauchern

Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel. Landwirte wollen marktorientiert wirtschaften und sich das Vertrauen der VerbraucherInnen auch in Zukunft sichern. Gelingen wird ihnen dies auf Dauer jedoch nur dann, wenn sie durch das Wirtschaften in gentechnikfreien Regionen Verunreinigungen ihrer Ernten verhindern können.

2. Gentechnikfreie Regionen verhindern Konflikte zwischen Nachbarn

Das Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik wird eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten unter Landwirten auslösen. Bisher ist keine Versicherung bereit, das mit der Agro-Gentechnik verbundene Haftungsrisiko zu übernehmen. Gentechfreie Anbauregionen sorgen ein gutes nachbarliches Miteinander in den Dörfern.

3. Gentechnikfreie Regionen erhalten die bäuerliche Unabhängigkeit

Gentechnisch veränderte Sorten unterliegen dem Patentschutz. Der seit jeher übliche eigene Nachbau von Saatgut ist dann nur noch nach Genehmigung des Patentinhabers und Bezahlung von Lizenzgebühren möglich. Gentechnikfreie Regionen können die bäuerliche Landwirtschaft vor dem Zugriff der großen Saatgutkonzerne schützen.

4. Gentechnikfreie Regionen verhindern Mehrkosten in der Produktion

Das Nebeneinander einer Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik wird gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten viel Mehraufwand verursachen, besonders in Bundesländern mit kleinen Flächenstrukturen. Sie müssen Abstandsregeln einhalten, Anbaupläne absprechen und ihre Erzeugnisse strikt trennen. Das kostet Energie, Zeit und Nerven – Ressourcen, die sich anderweitig sinnvoller einsetzen lassen.

5. Gentechnikfreie Regionen sichern Einnahmen und schaffen Planungssicherheit

Ein Biobauer kann seine Produkte nicht mehr als „Bio“ vermarkten. Und er läuft Gefahr, seine Ökozertifikat zu verlieren. Der konventionelle Landwirt kann seine Ernte nach einer Verunreinigung nur noch unter Preis verkaufen. Denn inzwischen bestehen fast alle großen Supermarktketten in Deutschland auf der Lieferung gentechnikfreier Rohstoffe, weil die Verbraucher es so wollen.

6. Gentechnikfreie Regionen erschließen und erhalten neue Absatzmärkte

Gentechnikfreie Regionen erhalten bestehende und erschließen neue Absatzmärkte für hochwertige Erzeugnisse. Weil es so gut wie keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU gibt, verfügt die hiesige Landwirtschaft zur Zeit noch über einen großen Wettbewerbsvorteil. Sie kann die Nachfrage nach garantiert gentechnikfreien Produkten befriedigen.

7. Gentechnikfreie Regionen erhalten den Wert des Bodens

Samen von Gentech-Pflanzen können über Jahre hinweg im Boden verbleiben und eine gentechnikfreie Produktion über längere Zeit verhindern. Deshalb haben fast alle evangelischen Landeskirchen ihren Gemeinden empfohlen, auf ihren Flächen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu untersagen.

8. Gentechnikfreie Regionen sorgen für den Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt

Der Anbau von genverändertem Saatgut reduziert die Vielfalt der Kulturpflanzen. Diese ist ein wichtiger Teil unserer Kulturgeschichte und dient der langfristigen Ernährungssicherheit.

9. Gentechnikfreie Regionen schützen Mensch und Umwelt vor den Risiken der Gentechnik

Die ökologischen Folgen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen sind nicht abschätzbar, die Auswirkungen des Verzehrs genveränderter Lebensmittel auf die menschliche Gesundheit nicht geklärt. Den Risiken steht keinerlei Nutzen gegenüber.

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