Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

19.06.09 16:16 Alter: 1 Jahre

Percy Schmeiser in Salzburg: „Gentechnik kann gestoppt werden“

 

Der kanadische Landwirt Percy Schmeiser wurde mit seinem Kampf gegen den US-amerikanischen Biotech-Konzern Monsanto zum Aushängeschild der globalen Anti-Gentechnik-Bewegung. Am Donnerstag [18. Juni 2009] war er auf Einladung der Initiative „Zivilcourage“ in Salzburg zu Besuch. Im SN-Gespräch sagte Schmeiser, Österreich solle sich weiterhin gegen die Zulassung der grünen Gentechnik wehren.

SN: Sie fahren durch die Welt, um über Ihren rechtlichen Feldzug gegen Monsanto zu referieren. Was treibt Sie zu diesem Kampf David gegen Goliath?

Schmeiser: Die Bauern wollen Vielfalt beim Anbau. Sie sollen anbauen dürfen, was sie wollen. Wenn ein Bauer jedes Jahr das Saatgut von einer Firma kaufen muss, hat dieses Unternehmen die totale Kontrolle über den Bauern. Und wenn ein Konzern die Saatgutversorgung kontrolliert, kontrolliert er damit auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

SN: Und die Folge wäre?

Schmeiser: Die Konzerne würden uns sagen, was wir zu essen haben. Das passiert heute schon im Westen Kanadas, wo die Bauern (auf Grund von Verträgen, Anm.) nur gentechnisch verändertes Saatgut kaufen dürfen. Deshalb sage ich: Die Bauern sollten niemals die Rechte am Saatgut aufgeben.

SN: Die Diskussion ließe sie rasch beenden, wenn die Wissenschaft nachweisen könnte, dass Gentechnik in Lebensmitteln gefährlich ist. Offenbar steht der überzeugende Beweis noch immer aus.

Schmeiser: Werden gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt, wird mindestens die dreifache Menge an Chemikalien eingesetzt. Und das betrifft sehr wohl unsere Gesundheit.

SN: Konzerne und Forscher preisen die Gentechnik als Mittel gegen den drohenden Ernährungsnotstand, wenn die Weltbevölkerung wie erwartet steigt. Was ist die Alternative zur Gentechnik?

Schmeiser: Das hat man 1996 auch den Bauern in den USA und Kanada erzählt. Wenn irgendetwas zu mehr Hunger führt, ist es die Gentechnik. Wenn Sie gentechnisch veränderte Organismen einsetzen, sinkt die Ernte bei Soja um mindestens 15 Prozent, bei Raps um mindestens zehn Prozent. Dazu kommt, dass der Nährwert nur etwa die Hälfte von konventionellen Produkten ausmacht.

SN: Der Widerstand gegen die Gentechnik kommt vor allem aus europäischen Ländern, darunter Österreich. Aus Ihrer Heimat hört man wenig Kritik, auch in den USA scheinen gentechnisch veränderte Lebensmittel das normalste der Welt zu sein.

Schmeiser: Es ist auch ein großes Thema in Nordamerika. Bei uns wurden vor 13 Jahren gentechnisch verändertes Soja, Mais, Baumwolle und Raps bewilligt. Seitdem gab es keine einzige neue Bewilligung.

SN: Was halten Sie von der „Koexistenz“, also dem Nebeneinander von Landbau mit Gentechnik und konventioneller Landwirtschaft, wie sie vielfach propagiert wird?

Schmeiser: „Koexistenz“ ist unmöglich. Das wissen auch die Gentechnik-Konzerne. Man müsste den Pollenflug kontrollieren können, also die Übertragung von Feld zu Feld. Aber das geht nicht.

SN: In der EU gibt es derzeit keine einheitliche Politik, was die Zulassung der grünen Gentechnik betrifft. Soll die Entscheidungshoheit bei den einzelnen Mitgliedsländern liegen?

Schmeiser: Was mich stört, ist die Haltung der EU-Kommission (die den Einsatz von Gentechnik tendenziell befürwortet, Anm.). Das ist ein Gremium, das nicht von der Bevölkerung gewählt wurde und das trotzdem den Mitgliedsländern Vorschriften macht. Wo bleibt da Ihre Souveränität? Die Mitgliedsländer sollten immer das Recht behalten, eine Politik zu verhindern, die gefährlich für die Bevölkerung werden kann. Österreich sollte weiter auf die Bevölkerung hören und Widerstand gegen die Gentechnik leisten.

SN: Glauben Sie, dass sich Österreich mit seinem Anti-Gentechnik-Kurs langfristig durchsetzen kann?

Schmeiser: Die Gentechnik kann gestoppt werden. Yes, you can.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterArtikel aus den Salzburger Nachrichten am 19. Juni 2009


Einwendungen gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Zuckerrüben

Umwelt- und Naturkostverbände, Saatgutunternehmen und Initiativen für gentechnikfreie Regionen haben Einwendungen in das Genehmigungsverfahren zur Freisetzung von gentechnisch veränderten Zuckerrüben in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern durch die Planta Angewandte Pflanzengenetik und Biotechnologie GmbH eingereicht.

Die zur Freisetzung eingereichten Unterlagen entsprechen nicht den Anforderungen, die im Gentechnikgesetz festgeschrieben sind. Das betrifft unter anderem die Regelungen zur Risikobewertung für die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen.

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