Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Katholische Kirche und Agro-Gentechnik

Die Auseinandersetzung mit der Agro-Gentechnik ist auch für katholische Christen ein wichtiges Thema. Anders als bei der protestantischen Kirche, die insgesamt durch eine eher gentechnikkritische Haltung geprägt ist, unterscheiden sich die Positionen auf der katholischen Seite je nach befragter Ebene deutlich. Den Anwendungen der Agro-Gentechnik relativ offen gegenüber steht der Vatikan. Die Deutsche Bischofskonferenz verweist auf die ambivalenten Folgen, und die in Deutschland in großer Vielfalt vorhandene Laienbewegung setzt sich oft kritisch mit der Gentechnik und ihren Folgen auseinander. Die katholischen Hilfsorganisationen haben – wie ihre protestantischen Partner – der Verwendung von genetisch veränderten Pflanzen als Bestandteil von Hilfslieferungen eine Abfuhr erteilt.

Die Position des Vatikans

Die Haltung der römischen Amtskirche gegenüber vielen Anwendungen der medizinischen Gentechnik am Menschen (beispielsweise Präimplantationsdiagnostik, Stammzellforschung, Klonen) ist durch eine klare Ablehnung gekennzeichnet. Den Anwendungen der Agro-Gentechnik steht die Katholische Kirche insgesamt offener – aber auch nicht ohne Skepsis – gegenüber. Im vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden erarbeiteten und im Oktober 2004 herausgegebenen Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Kompendium der Sozialen Doktrin der Kirche" wird auf die Chancen und Risiken von Biotechnologieanwendungen verwiesen. Ein grundsätzlicher Gestaltungs- und Gärtnerauftrag der Menschen bei gleichzeitiger Verantwortlichkeit für ihr menschliches Handeln wird durch den Vatikan vertreten.

Auch wenn der Eingriff in die Natur durch gentechnische Veränderung von Organismen einen theologisch vertretbaren Akt darstelle, seien alle Veränderungen auf ihre Folgen hin ethisch zu prüfen und zu bewerten. Wichtigste Kriterien dabei seien Gerechtigkeit und Solidarität mit den Armen. Hieran machen insbesondere Bischöfe, Priester und Ordensleute aus den Entwicklungsländern ihre Kritik an der Agro-Gentechnik fest und haben diese auf einer Konferenz zum Thema während des Pontifikats von Johannes Paul II. im November 2003 auch entsprechend geäußert.

Die Position der Deutschen Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich bis heute nicht abschließend zur Agro-Gentechnik positioniert. In einem im März 2003 gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegebenen PapierÖffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Neuorientierung für eine nachhaltige Landwirtschaft" heißt es unter anderem: "Eine breite Umsetzung der großen Versprechungen (der Agro-Gentechnik, d.V.) ist bisher ausgeblieben. (...) Die Ambivalenz der Entwicklung liegt auf der Hand und nötigt zu einer grundsätzlichen Reflexion über die Leitwerte einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Agrarpolitik." (S. 19).

In die Erarbeitung einer abschließenden Position einbezogen ist Professor Markus Vogt von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern. Markus Vogt hat auf einer Bayreuther Tagung am 19. November 2004 einen Vortrag Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"GenEthik: Grüne Gentechnik in ethischer Sicht" gehalten, der den Stand der Diskussion auf katholischer Seite gut zusammenfasst.

Als klarer Gegner der Agro-Gentechnik gilt der im Oktober 2006 zum Bischof von Eichstätt geweihte Benediktinermönch Gregor Hanke. Schon in seiner Zeit als Abt der Benediktinerabtei Plankstetten ließ Hanke die Klosterwirtschaft auf ökologischen Landbau umstellen. Hanke kritisiert insbesondere auch die sozialen Auswirkungen der Agro-Gentechnik (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInterview mit der Berliner Zeitung vom 18. Januar 2007). Es wird erwartet, dass Hanke auch in der Bischofskonferenz für eine gentechnikkritischere Haltung der Katholischen Kirche in Deutschland wirbt.

Die deutschen Bistümer und die Auseinandersetzungen um die Agro-Gentechnik

Auch in den Bistümern wird um eine Haltung zur Agro-Gentechnik gerungen. In der Erzdiözese München und Freising hat sich der Diözesanrat am 9. Oktober 2004 für ein Verbot des Anbaus von GVO auf kirchlichen Flächen ausgesprochen. Die Deutsche Bischofskonferenz wurde aufgefordert, entsprechend Position zu beziehen.

Startet den Datei-DownloadDer Beschluss des Diözesanrats im Wortlaut

Am 8. November 2007 wandte sich der Diözesanrat erneut gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Mit Blick auf den Entwurf der Novelle des Gentechnikgesetzes vom August 2007 forderte er den Gesetzgeber auf, dafür Sorge zu tragen, dass der herkömmliche, gentechnikfreie sowie der ökologische Landbau nicht verdrängt werden.

Startet den Datei-DownloadErklärung des Diözesanrates vom 8.11.2007 im Wortlaut


"Aus Verantwortung gegenüber der Schöpfung" lehnt auch der Diözesanrat der Diözese Passau den Einsatz der "Grünen Gentechnik" ab.

Startet den Datei-DownloadStellungnahme des Diözesanrates des Bistums Passau zum Erntedanksonntag 2006


Anders sieht es zum Beispiel im Bistum Magdeburg aus. Hier fordert zwar das Leitbild des Pastoralen Zukunftsgesprächs die Christen in allen Ebenen dazu auf, ihre "Schöpfungsverantwortung" wahrzunehmen und "alle innerkirchlichen Entwicklungen, Prozesse und Projekte (…) unter dem Leitgedanken der nachhaltigen Entwicklung zu prüfen, zu fördern und durchzuführen", gleichwohl war das Bistum ab dem Jahr 2004 über eine 100-prozentige Tochter am Bau des Bioparks Gatersleben beteiligt und damit in die Bereitstellung von Infrastruktur zur Biotechnologie- und Agro-Gentechnik-Forschung involviert.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGeschäftsbericht der Gero AG 2004

Kirchliche Laienorganisationen und Agro-Gentechnik

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat Ende November 2003 in seinem "Plädoyer für eine nachhaltige Landwirtschaft" den Eigentümern kirchlicher landwirtschaftlicher Nutzflächen empfohlen, den Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen zu untersagen.

Startet den Datei-DownloadDer Beschluss des ZdK im Wortlaut

Innerhalb der Katholischen Landvolkbewegung gibt es Unterschiede in der Bewertung der Technologie. Die Landvolkbewegung der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Regionalverein der Katholischen Landvolkbewegung verabschiedete am 16. Mai 2004 in Bad Mergentheim-Apfelbach eine Resolution, in der der Einsatz der Agro-Gentechnik abgelehnt wird.

Startet den Datei-DownloadDer Beschluss des Landvolkbewegung der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Wortlaut 

Anders argumentiert dagegen die Katholische Landvolkbewegung (KLB) in Bayern. Auf ihrer Landesversammlung in Plankstetten im März 2005 beschloss sie im Hinblick auf die Agro-Gentechnik eine Neufassung ihres Leitbildes "Zukunft der Landwirtschaft". Darin heißt es nun: "Die KLB will sich den neuen Möglichkeiten der grünen Gentechnik nicht grundsätzlich verschließen. Sie nimmt zur Kenntnis, dass bisherige Forschungen noch nicht abgeschlossen sind und leider nicht interessensfrei vorgenommen werden."

Startet den Datei-DownloadDer Beschluss der KLB Bayern im Wortlaut 

Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) hingegen warnt klar vor den Folgen der Agro-Gentechnik. Sie beschränkt die Ablehnung nicht auf den Nahrungsmittelsektor, sondern kritisiert die Nutzung der Agro-Gentechnik auch im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe. Auf ihrem Bundeskongress am 21./22. Oktober 2006 verabschiedete sie deshalb ein entsprechendes Positionspapier. Darin heißt es: "Der boomende Anbau nachwachsender Rohstoffe darf nicht die Einstiegshilfe für gentechnisch veränderte Pflanzen sein! Es gibt gravierende Risiken und begründete Bedenken gegen die Agro-Gentechnik, egal ob im Nahrungsmittelbereich oder bei nachwachsenden Rohstoffen." Die KLJB fordert die EntscheidungsträgerInnen auf allen politischen Ebenen auf, die Verbreitung von gentechnisch veränderten Organismen zu verhindern. Die Delegierten sehen die Gefahr, dass die Gentechnikkonzerne versuchen, im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen voranzutreiben, gerade weil er weniger als der Lebensmittelbereich im Interesse der VerbraucherInnen steht.

Startet den Datei-DownloadDer Beschluss der KLJB im Wortlaut

In Baden-Württemberg unterstützt derzeit die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Organisationen und Verbände der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Verbraucherkampagne Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Mein Nein" für Gentechnikfreie Haushalte.

Miseror: Gentechnik ist keine Lösung

Das katholische Hilfswerk Misereor sieht die Versprechen der Agro-Gentechnik ebenfalls kritisch. Der für das Hilfswerk zuständige Erzbischof von Hamburg, Werner Thissen, lehnt die Technologie besonders wegen ihrer sozialen Auswirkungen ab. Sie sei nicht das richtige Mittel, um den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Richtiger sei es, die kleinbäuerlichen Strukturen in den Entwicklungsländern zu stärken.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDas Interview mit Werner Thissen im Wortlaut 

Zum Welternährungstag 2005 warnte Misereor gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation FIAN vor den Folgen der Agro-Gentechnik für Ärmsten der Weltbevölkerung. Die Bundesregierung und besonders die CDU wurden aufgefordert, gentechnisch veränderte Hilfslieferungen an Entwicklungsländer zu unterbinden und Aktivitäten einzustellen, die auf die Erweiterung der Anwendung der Gentechnik in den Entwicklungsländern zielen.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterPressemitteilung von Misereor zum Welternährungstag 2005

Ablehnung erfahren auch die Patente auf Leben, das heißt die Patentierung ganzer Organismen durch Firmen. Bereits 2003 hat Misereor deshalb eine Kampagne mit dem Titel "Kein Patent auf Leben" durchgeführt und über 120.000 Unterschriften gesammelt.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInformationen zur abgeschlossenen Misereor-Kampagne "Kein Patent auf Leben"

 

"Ethisch unverantwortlich"

Osthessen-News interviewt Sebastian Schoknecht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moraltheologie der Uni Würzburg zum geplanten Gen-Maisanbau und zur Rolle der Katholischen Kirche.

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"Ist Gentechnik unchristlich?"

Unter dieser Überschrift fasste die FAZ am 31. Oktober 2006 einen Artikel zusammen, der das schwierige Terrain beschreibt, in dem sich Horst Seehofer in der katholisch geprägten Gesellschaft Bayerns beim Thema Agro-Gentechnik bewegt.

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Was kann ich in meiner Kirchgemeinde tun?

Gentechnikfreies Kirchenland auch in Ihrer Heimatgemeinde? Mit den Aktionsmaterialien des BUND können Sie aktiv werden.

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Evangelische Kirche und Agro-Gentechnik

Keine Gentechnik auf Kirchenland! Diese Aufforderung ist bereits in vielen Landeskirchen Wirklichkeit.

Wir haben ihnen Dokumente, Stellungnahmen und Beschlüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Agro-Gentechnik zusammengestellt.

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