Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Saatgut ohne Gewähr – Monsanto lässt Bauern bespitzeln und stiehlt sich aus der Haftung

Dass diejenigen, die Gen-Mais von Monsanto anbauen, in die Fänge des dubios agierenden Agrarkonzerns geraten (könnten), dürfte den meisten deutschen Bauern bewusst sein. Zusätzlich zu denjenigen, die in Deutschland auf knapp 950 Hektar Gen-Mais der Linie Mon 810 angebaut haben, geraten nun auch konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern aus der Nachbarschaft in das Visier des Gentech-Multis.

Mit den inzwischen bekannt gewordenen Startet den Datei-Download Anbauverträgen, die die privatrechtliche Grundlage für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais der Firma Monsanto auf deutschen Äckern bilden, werden Gen-Bauern nicht nur selbst in vielerlei Hinsicht verpflichtet, sie unterschreiben zusätzlich auch, dass sie als "IM-Landwirt" (Frankfurter Rundschau), persönliche Daten ihrer Nachbarn herausgeben. Die Nachbarn werden über solcherlei Informationsweitergabe, die nach Monsanto rein ökonomischen Motiven dienen soll, nicht informiert. Eine Informationspflicht gegenüber benachbarten Landwirten zum Gentech-Anbau schreibt Monsanto explizit nicht vor.

Auch sonst hält sich der Konzern den Rücken frei und versucht mit juristischen Ausschlussklauseln eine Haftung für möglicherweise gefährliche bzw. die Ernte der Nachbarfelder verunreinigende Gen-Sorten Haftungsgründe zu vermeiden.

Die Angaben zur guten fachlichen Praxis, die eigentlich einen möglichst weit reichenden Schutz der fast vollständig gentechnikfreien Landwirtschaft in Deutschland gewährleisten sollen, lesen sich dagegen erstaunlich kurz, bisweilen dürftig und widersprüchlich. Für die Ernte wird nur empfohlen, Gen-Felder separat abzuernten. Maschinen seien "ordnungsgemäß" zu reinigen, wobei unklar bleibt, was genau darunter zu verstehen ist.

Widersprüchlich sind auch die Angaben zu einzuhaltenden Abständen: Während zu ökologisch bewirtschafteten Flächen 300 Meter Abstand gehalten werden sollen (eine Angabe, die im Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterLeitfaden des Unternehmens nicht zu finden ist), brauchen es bei konventionell bewirtschafteten Feldern gerade einmal 20 Meter sein. Dass für beide Landwirtschaftsformen nach der EU-weit gültigen Kennzeichnungsrichtlinie ein einheitlicher Schwellenwert von 0,9 Prozent gilt und alle Produkt mit einer gentechnischen Verunreinigung jenseits dieser 0,9 Prozent nicht mehr als gentechnikfrei verkauft werden können, scheint für Monsanto nicht wichtig zu sein.

Fazit: Mit seinen Anbauverträgen versucht sich Monsanto an der Knechtung deutscher Bauern, so wie es das Unternehmen bereits in den USA praktiziert. Landwirte werden instrumentalisiert, das Unternehmen stellt sich von der Haftung frei. So gesehen sind die Anbauverträge ein weiterer und diesmal wirtschaftlicher Grund für Bauern, vom Anbau von Gen-Mais Abstand zu nehmen.

Hintergrund

Startet den Datei-DownloadMonsanto-Anbauvertrag (pdf, 170 kB)

Alle deutschen Gesetzes- und Verordnungstexte bietet die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit juris in diesem Portal an.

Eine hilfreiche Übersicht zu relevanten Rechtstexten (Gesetze und Verordnungen) der EU und der Bundesrepublik findet sich auf den Seiten der Biologischen Bundesanstalt.

Die Novellierung des Gentechnikrechts

Wir haben die Ereignisse zur Novellierung des deutschen Gentechnikrechts von 2004 bis 2008 für Sie zusammengefasst:

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterNovelle des Gentechnikgesetzes: Teil 1
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Mehr Transparenz = weniger Feldzerstörungen!

Immer wieder argumentieren Befürworter der Agro-Gentechnik, das Gentechnik-Gesetz leiste Feldzerstörungen Vorschub, weil alle Standorte flurstückgenau veröffentlicht würden.

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