Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Gentechnik fördert großflächige Monokulturen

Die Agro-Gentechnik ist für eine industrialisierte Landwirtschaft gemacht, die großflächige Monokulturen bewirtschaftet.

Genmanipulation von Pflanzen dient in erster Linie als Antwort auf Probleme landwirtschaftlicher Monokulturen. Landwirtschaftliche Monokulturen sind darauf ausgerichtet, hohe Erträge zu erzielen, während Umweltaspekte keine Rolle spielen. Die Erträge können einerseits durch Unkräuter, die mit der Nutzpflanze um Nährstoffe konkurrieren, andererseits durch Insekten, die als Schädlinge an der Pflanze fressen, geschmälert werden.

Um gegen Unkräuter vorzugehen, werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die mehrmals im Jahr gespritzt werden. Mithilfe der Gentechnik sind Pflanzen geschaffen worden, die gegen ein spezifisches Pflanzenschutzmittel tolerant sind. Dadurch wird die Bewirtschaftung der Monokulturen einfacher: Die herbizidtoleranten Pflanzen können zu einem beliebigen Zeitpunkt mit dem jeweiligen Pflanzenschutzmittel besprüht werden. Sie überleben, während Unkräuter und andere Pflanzen auf dem Acker absterben. Herbizidtolerante Pflanzen machen mit fast zwei Dritteln den größten Teil der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen aus.

Um gegen Schädlinge, die sich in Monokulturen besonders stark vermehren, vorzugehen, sind mit Hilfe der Gentechnik insektenresistente Pflanzen hergestellt worden. Jedoch bilden die Schadinsekten ihrerseits Resistenzen gegen das von den Pflanzen produzierte Insektengift aus. Deshalb sind die Bauern in den USA zu einem sogenannten "Resistenzmanagement" verpflichtet: Sie müssen neben dem Feld mit dem genmanipulierten Mais herkömmlichen Mais anbauen, damit sich die Schädlinge dorthin zurückziehen können und nun langsamer eine Resistenz gegen das Insektengift ausbilden.

Doch auch das löst die Probleme nicht, die bei der Bewirtschaftung von Feldern mit insektenresistentem Genmais auftreten: Als Folge des durch den Genmais verursachten Sterbens der einen Insektenart treten vermehrt andere Arten auf und spielen als Schädlinge eine größere Rolle. Zudem halten sich offenbar nicht alle Landwirte an die Auflagen dieses Resistenzmanagements.

In den letzten Jahren werden vermehrt Gentech-Pflanzen mit beiden Eigenschaften auf den Markt gebracht. Sie sind tolerant gegen verschiedene Herbizide und produzieren Insektengifte.

2010 waren 61 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen  herbizidtolerant und 17 Prozent insektenresistent. 22 Prozent verfügten über beide Eigenschaften.

Gentech-Pflanzen wachsen hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent


Im Jahr 2010 wurden auf 148 Millionen Hektar Gentech-Pflanzen angebaut. Bezogen auf die weltweit landwirtschaftlich genutzte Ackerfläche von ca. 1,5 Milliarden Hektar sind das ungefähr 9,7 Prozent. Etwa 80 Prozent des Anbaus findet in den USA, Brasilien und Argentinien statt. Im Jahr 2005 wurde der Anstieg der gentechnisch bewirtschafteten Fläche erstmals seit 1996 stark gebremst. Betrug die jährliche Zuwachsrate 2004 noch 20 Prozent, so waren es 2005 nur noch 11 Prozent. Die Zuwachsrate von 2009 zu 2010 betrug 10 Prozent.

Innerhalb der EU beschränkt sich ein größerer kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen bisher auf Spanien. Dabei handelte es sich bis zum Jahr 2004 um die insektenresistente Maissorte Bt 176 von Syngenta, deren Anbau von 2005 an aufgrund gesundheitlicher Bedenken verboten ist. Der Grund: Sie enthält ein Antibiotikaresistenzgen. Im letzten legalen Anbaujahr 2004 wuchs der BT 176-Mais in Spanien auf etwa 32.000 Hektar. Restbestände von etwa 11.000 Hektar fanden 2005 trotz des Verbots den Weg auf den Acker. Insgesamt wuchsen im Jahr 2005 in Spanien etwa 50.000 bis 60.000 Hektar gentechnisch veränderter Mais, zum größten Teil der von Monsanto entwickelte Mon 810. Dies entsprach ungefähr zwölf Prozent der spanischen Maisanbaufläche.

Anbau von Mon 810 in der EU


2010 bauten von den 27 EU-Mitgliedstaaten sechs Länder auf 91.193 Hektar kommerziell gentechnisch veränderten Mais (Mon 810) an. Der Großteil wuchs auf spanischen Äckern. Die 91.193 Hektar an Gentech-Anbaufläche entsprechen 0,05 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche und 0,08 Prozent an Ackerfläche in der EU. Der Anteil der Gentech-Maisanbaufläche an der EU-Maisanbaufläche beträgt etwa 1,5 Prozent.

In sieben EU-Ländern (Österreich, Ungarn, Griechenland, Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Rumänien) ist der Anbau des Mon 810 verboten. Das Anbauverbot für Deutschland wurde im April 2009 ausgesprochen – wegen zu großer Risiken für die Umwelt.

Mon 810 wurde in Deutschland im Jahr 2005 auf knapp 350 Hektar, im Jahr 2006 auf 950 Hektar und 2007 auf 2.700 Hektar ausgebracht. 2008 wurde Gentech-Mais an 201 Standorten mit einer Gesamtfläche von 3.171 Hektar angebaut. Das entsprach etwa 0,15 Prozent der damaligen gesamten Maisanbaufläche (2,1 Millionen Hektar).

Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen konzentriert sich weltweit auf vier Arten: Zu mehr als 99 Prozent handelt es sich entweder um Soja (50 Prozent), Mais (31 Prozent), Baumwolle (14 Prozent) oder Raps (fünf Prozent). 61 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen sind herbizidtolerant. An ihnen verdienen ihre Hersteller gleich doppelt: zum einen über den Verkauf von Saatgut, zum anderen über den Verkauf der Herbizide.

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