Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Agro-Gentechnik nutzt nur einer Handvoll multinationaler Firmen

Der Markt für gentechnisch verändertes Saatgut befindet sich zu fast 100 Prozent in den Händen von sechs weltweit tätigen Gentech- und Agrochemie-konzernen: Monsanto (USA), DuPont/Pioneer (USA), Dow AgroScience (USA), Syngenta (CH), Bayer CropScience (DE) und BASF Plant Science (DE). Er soll  laut der gentechnik-freundlichen Lobbyorganisation ISAAA im Jahr 2014 ein Volumen von 15,7 Mrd. US-Dollar umfasst haben. Das Volumen des Saatguts, das 2013 weltweit gehandelt wurde, soll insgesamt etwa 45 Mrd. US-Dollar ausgemacht haben. Damit hätte der Sektor für Gentech-Saatgut etwa 35 Prozent Marktanteil gehabt. In diesen Zahlen nicht enthalten ist das Saatgut, das Landwirte durch Nachbau gewinnen und untereinander tauschen. Schätzungen zufolge macht der Nachbau etwa vier Fünftel des weltweiten Saatgutmarktes aus. Selbst in der deutschen Landwirtschaft werden etwa 50 Prozent des Saatguts durch Nachbau gewonnen.

Monsanto und ein Beinahe-Monopol


Monsanto hält einen Marktanteil von knapp 90 Prozent und verfügt damit über eine monopolartige Stellung. Der Konzern vermarktet Soja, Mais und Raps mit einer Resistenz gegen das firmeneigene Herbizid Roundup sowie Bt-Mais und Bt-Baumwolle, die sich selbst gegen Schädlinge schützen sollen – und kassiert damit gleich doppelt. Syngenta ist vor allem mit Bt-Mais am Markt vertreten. Bayer Crop-Science vertreibt Raps- und Maissorten, die eine Resistenz gegen das Bayer-Herbizid Liberty (auch unter dem Namen „Basta“ im Handel) tragen. 

BASF Plant Science hat seinen Schwerpunkt auf die Genomfunktionsanalyse von Pflanzen gelegt. Inzwischen hält kein anderes Unternehmen der Welt so viele Patente auf Pflanzengenome bzw. Teile von Pflanzengenomen wie die BASF. Das Geschäftskonzept scheint vom "Monopoly-Spiel" inspiriert. Jeder, der bereits besetztes Terrain betritt, d. h. mit einem von der BASF patentierten Gen arbeiten will, muss dafür Gebühren zahlen. BASF ist 2010/2011 mit einer genveränderten Pflanze am Markt vertreten gewesen, mit seiner Stärkekartoffel Amflora. Sie sollte Stärke für die Industrie liefern und war die erste und bisher einzige allein für technische Zwecke entwickelte Gentech-Pflanze. Im Jahr 2011 wird die Kartoffel zuletzt von einem deutschen Landwirt auf einem 2 Hektar großen Feld in Ausleben in Sachsen-Anhalt angebaut. Seitdem wird sie nicht mehr angebaut, weil die BASF keine Bauern findet, die sie anbauen und keine Stärkefabriken, die sie verarbeiten. Das Gericht der Europäischen Union (EuG) entzieht der Gentech-Kartoffel im Dezember 2013 aufgrund von Verfahrensfehlern während des Zulassungsprozesses EU-weit die Zulassung. Sie darf fortan weder angebaut noch vertrieben werden.

Auf genverändertes Saatgut setzen zudem zwei mittelständische deutsche Saatgutunternehmen: die KWS Saat AG, die Soja und Mais für den US-Markt anbietet (und seit 2006 auch eine Variante des Gentech-Mais MON 810 für deutsche Landwirte) sowie die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, die in Kanada mit Raps am Markt vertreten ist.

Die Firmen haben eins gemeinsam: Sie wollen ihre Gentech-Sorten möglichst weltweit absetzen. Von Interesse sind dabei nicht nur die Industriestaaten mit zahlungskräftigen Landwirten sondern auch die Entwicklungsländer. Über Nahrungsmittellieferungen mit Gentech-Mais versucht die USA, afrikanische Staaten zur Akzeptanz der Gentechnik zu zwingen. 60 afrikanische Organisationen haben sich Anfang Mai 2004 beim Welternährungsprogramm der UN beschwert, dass sie Produkte akzeptieren sollen, die sich auf den Weltmärkten nicht verkaufen lassen. Im Juli 2006 haben auch die protestantischen Hilfswerke erklärt, dass sie im Rahmen ihrer Hungerhilfe keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel verteilen werden.

Bewegung im Gentechnik-Markt


Waren die vergangenen Jahre durch Übernahmen und Firmenfusionen geprägt, so bilden sich derzeit neue Formen der Kooperation zwischen den großen Anbietern gentechnisch veränderten Saatguts heraus. Die Konkurrenten von Monsanto schließen sich zusammen, um die Nummer Eins auf dem Markt für transgene Pflanzen zu attackieren.

Syngenta und DuPont gaben im März 2006 bekannt, zukünftig Lizenzen für Pflanzenschutzmittel austauschen zu wollen. Sie gründeten außerdem das Jointventure GreenLeaf Genetics LLC mit dem Ziel, sich den Zugriff auf diejenigen Patente und Lizenzen zu sichern, die der jeweils andere Partner für gentechnisch veränderte Pflanzen innehat. Beide Unternehmen sind an der Neugründung zu je 50 Prozent beteiligt. Darüber hinaus stellt Syngenta der Firma Delta and Pine Land die Patente seiner Gentech-Baumwolle zur Verfügung.

Der US-Saatgutproduzent Delta and Pine Land, führender Hersteller von Baumwollsaatgut, soll nun seinerseits aufgekauft werden. Entsprechende Absichten gab Monsanto im August 2006 bekannt. Monsanto will sich damit noch stärker als bisher Zugang u. a. zum indischen Baumwollmarkt sichern. Nach jahrelangem Rechtsstreit hat sich Monsanto zudem mit Dow AgroScience Anfang des Jahres 2006 geeinigt, Patente der je eigenen genetisch veränderten Pflanzensorten zum beiderseitigen Vorteil auszutauschen. Weiterhin hat die Monsanto-Tochter American Seeds Inc. im Juni 2006 für 77 Millionen Euro fünf regionale amerikanische Saatgutfirmen aufgekauft. Monsanto kontrolliert mit seinen Tochterunternehmen nach eigenen Angaben nun die Hälfte des amerikanischen Saatgutmarktes.

Die BASF Plant Science hat im Sommer 2006 die belgische Firma CropDesign übernommen. Damit will sie sich den Zugriff auf die Entwicklung neuer Eigenschaften bei Gentechnikpflanzen der so genannten zweiten Generation sichern, die sich z. B. durch größere Unempfindlichkeit gegen Trockenheit oder veränderte Inhaltsstoffe auszeichnen sollen. Konkret geht es um Mais und Reis.

Inzwischen stehen manche Aktionäre von im Gentech-Markt operierenden Konzernen den Aktivitäten der Firmen kritisch gegenüber. So setzte der amerikanische Christian Brothers Investment Service gemeinsam mit anderen DuPont-Anteilseignern im April 2006 die Verabschiedung einer Resolution durch, die den Konzern drängt, die möglichen finanziellen Risiken seines Engagements im Bereich der Agro-Gentechnik auch in den Finanzplänen auszuweisen.

Was macht Agro-Gentechnik für die Firmen so attraktiv?


Was macht Agro-Gentechnik so attraktiv für diese Konzerne? Insbesondere geht es den Unternehmen um das Patentrecht. Das Patentrecht begünstigt die Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut und benachteiligt die konventionellen Pflanzenzüchter. Letztere schützen und vermarkten über das Sortenschutzgesetz immer nur einzelne Sorten. Gentech-Unternehmen dagegen können über das Patentrecht gleich mehrere Pflanzen auf einmal für sich schützen, nämlich all jene, in die ein bestimmtes Gen eingebracht ist. So umfasst ein einziges Patent von Monsanto 18 verschiedene Nutzpflanzen.

Was ist zugelassen?

Das u.a. durch verschiedene Agro-Gentechnikfirmen, díe Bundesregierung und die europäische Kommission geförderte Portal transgen.de bietet eine Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDatenbanksuche zu den in der EU zugelassenen bzw. im Zulassungsprozess befindlichen GVO an.

Risiko Gentechnik

Als Risikotechnologie unterliegt die Agro-Gentechnik einer Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen und Regelungen.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterIn unserem Hintergrund Gentechnikrecht erfahren Sie mehr

Gentechnikanbau weltweit?

Zahlen und Datenmaterial zum weltweiten Gentechnikanbau finden Sie in den Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterBerichten der ISAAA.

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