Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Ökologische Risiken

Die Agro-Gentechnik birgt ökologische Risiken, die nicht abschätzbar sind.

Beim Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft gilt: Wir wissen, dass wir fast nichts über langfristige, indirekte und komplexe Wechselwirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen mit der agrarischen und nicht-agrarischen Umwelt wissen. Ein Grund dafür ist, dass ökologische Fragestellungen bei Freisetzungsexperimenten kaum berücksichtigt werden: in Deutschland nur bei 15 Prozent aller Freilandexperimente, weltweit sogar nur bei einem Prozent aller Freisetzungen.

Sofern Befunde zu den Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Umwelt vorliegen, geben diese Anlass zur Besorgnis:

Auskreuzung und Superunkräuter durch Herbizidtoleranz


Gentechnisch veränderte Pflanzen können sich in Ökosystemen ausbreiten und ihre neuen Eigenschaften auf verwandte Wildarten übertragen. In Europa besteht diese Gefahr besonders bei Raps und Zuckerrüben, da beide hier beheimatet sind und über entsprechend viele verwandte Arten verfügen. Pollen kann zudem durch Wind und Insekten über große Entfernungen verbreitet werden, eine Auskreuzung kann über größere Distanzen erfolgen, als bisher angenommen.

Bei Raps ist die häufigste Eigenschaft, die durch Gentechnik in die Pflanze eingebracht wird, die Toleranz gegen ein spezifisches Pflanzenschutzmittel (= Herbizid). Ein solcher gentechnisch veränderter Raps wird als herbizidtolerant bezeichnet. Wird der Acker mit dem Herbizid besprüht, überlebt allein der gentechnisch veränderte Raps. Viele Studien haben gezeigt, dass sich die Herbizidtoleranz von Raps auf nahe verwandte Ackerkräuter auskreuzen kann. Aus der Kreuzung entstehen "Superunkäuter", die nur noch mit einer Mischung verschiedener Pflanzenschutzmittel bekämpft werden können.

Hinzu kommt, dass Raps selber auf anderen Feldern als Unkraut auftritt. In Kanada, wo gentechnisch veränderter Raps laut  "Transgen" (Industrie-finanziertes Webportal) im Jahr 2013 rund 94 Prozent des Rapsanbaus ausmachte, treten Rapspflanzen als Unkräuter auf, die gleich gegen mehrere handelsübliche Pflanzenschutzmittel tolerant sind: Durch Kreuzung haben sich in den Pflanzen Mehrfachtoleranzen ausgebildet, d. h. die Herbizidtoleranzen mehrerer gentechnisch veränderter Rapssorten, die gegen unterschiedliche Pflanzenschutzmittel tolerant sind, vereinen sich in einer Pflanze. Solche Rapspflanzen sind mit den entsprechenden Herbiziden nicht mehr zu bekämpfen.

Insektenresistente Gentech-Pflanze tötet nicht nur Schädlinge


Die häufigste bei Mais und Baumwolle durch Gentechnik bewirkte Eigenschaft ist die Insektenresistenz, die durch den Einbau von Teilen eines Bodenbakteriums (Bacillus thuringiensis) in die Pflanzen erzielt wird. Insektenresistenz bedeutet, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen ein Gift produzieren, das Insekten tötet, die an ihnen fressen. Es zeigt sich allerdings, dass das Insektengift nicht nur die Schädlinge tötet, die es töten soll, sondern auch andere Insekten, denn das Gift der Gentech-Pflanze wird über die Nahrungskette weitergegeben.

Das führt dazu, dass räuberische Insekten, die sich von Insekten ernähren, die von der Gentech-Pflanze gefressen haben, ebenfalls sterben können. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass das Insektengift von den gentechnisch veränderten Pflanzen über die Wurzeln in den Boden abgegeben wird und dort offenbar sehr stabil ist. Dies ist insofern brisant, als nur ein Bruchteil der im Boden lebenden Mikroorganismen bekannt ist und Erkenntnisse über Wechselwirkungen von dem von der Gentech-Pflanze abgegebenen Gift und den Bodenmikroorganismen sowie bodenlebenden Insekten und Nematoden nicht existieren.

Eine neue Spielart unerwarteter Nebenfolgen insektenresistenter Pflanzen förderte eine Studie des Imperial College London und der Universität Simon Rodriguez, Caracas, aus dem Jahr 2003 zu Tage, für die Wissenschaftler Larven der Kohlmotte mit von der Gentech-Pflanze hergestellten Proteinen fütterten. Statt toxische Wirkung zu entfalten und die Larven zu töten oder wenigstens zu schädigen, gediehen diese nach dem Proteinverzehr im Labor prächtig: Die Kohlmotten nutzten das Protein als Nahrungsergänzung und wiesen eine bis zu 56 Prozent höhere Wachstumsrate gegenüber mit konventionellen Pflanzen gefütterten Artgenossen auf. Mögliche Folgen für die Landwirtschaft: Kohlmotten, die nicht allein eine Resistenz gegen diejenigen Gentech-Pflanzen ausgebildet haben, deren Verzehr sie eigentlich töten sollte, sondern die Gentech-Pflanze quasi als Wachstumsförderer für sich nutzen, könnten sich durch den großflächigen Anbau insektenresistenter Gentech-Pflanzen zu einer wahren Plage entwickeln.

Studien und Gutachten

Wir dokumentieren relevante Studien und Gutachten zur Agro-Gentechnik in unseren Hintergrundinformationen.

Was ist zugelassen?

Das u.a. durch verschiedene Agro-Gentechnikfirmen, díe Bundesregierung und die europäische Kommission geförderte Portal transgen.de bietet eine Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDatenbanksuche zu den in der EU zugelassenen bzw. im Zulassungsprozess befindlichen GVO an.

Risiko Gentechnik

Als Risikotechnologie unterliegt die Agro-Gentechnik einer Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen und Regelungen.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterIn unserem Hintergrund Gentechnikrecht erfahren Sie mehr

Gentechnikanbau weltweit?

Zahlen und Datenmaterial zum weltweiten Gentechnikanbau finden Sie in den Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterBerichten der ISAAA.

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