Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Definition: Gentechnikfreie Region (GFR)

Eine Gentechnikfreie Region ist ein Gebiet, in dem die Eigentümer, Nutzer und Bewirtschafter v.a. land- und forstwirtschaftlicher Flächen wissentlich keine gentechnisch veränderten Kulturen verwenden. Darüber hinaus verpflichten sich einige GFR, auch im Bereich der Tierhaltung, keine GVO-haltigen Futtermittel einzusetzen.

Als Gentechnikfreie Regionen gelten sowohl Aktivitäten in kleinräumigen Gebieten (= Regionen innerhalb einer Gemeinde oder Gemarkung) als auch großflächige GFR, die mehrere Gemeinden, einen Landkreis oder einen Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum umfassen.

Eine GFR hat mindestens folgende Kriterien zu erfüllen, um berücksichtigt zu werden:

Räumlicher und flächendeckender Ansatz

Beim Schutz vor gentechnischen Verunreinigungen ist die Sicherstellung einer flächendeckenden Gentechnikfreiheit eine zentrale Voraussetzung:

  • Eine GFR muss über eine zusammenhängende Bewirtschaftungsfläche verfügen. (Erläuterung am Beispiel der Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGFR Uckermark-Barnim)


Alternativ dazu kann der erreichte Flächendeckungsgrad im jeweiligen Bezugsraum (z.B. Gemeinde, Landkreis) herangezogen werden:

  • Eine GFR muss im gewählten Bezugsraum (z.B. Gemeinde, Landkreis, Naturraum) mindestens 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche gentechnikfrei bewirtschafen. (Erläuterung am Beispiel der Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGFR Landolfhausen)


Produktübergreifender Ansatz beim Anbau

Eine Sicherung der Gentechnikfreiheit in einem bestimmten Gebiet kann sich nicht nur auf eine Kulturart beziehen. Angesichts der Gefahr von horizontalen und vertikalen Auskreuzungen gilt ein produktübergreifender Ansatz:

  • In der GFR verpflichten sich die beteiligten Landwirte, generell kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut einzusetzen.


Verbindliche und nachvollziehbare Erklärung / Beschlüsse

Gentechnikfreiheit muss für die beteiligten Landwirte, für den nachgelagerten Bereich der Ernährungswirtschaft und für den Verbraucher ein Mindestmaß an Verbindlichkeit und Transparenz aufweisen:

  • Vorlage unterschriebener Selbstverpflichtungserklärungen der Eigentümer, Nutzer oder Bewirtschafter der Flächen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft)
  • Dokumentation von Beschlüssen und Abstimmungen auf Versammlungen der Eigentümer, Nutzer oder Bewirtschafter der Flächen (vorrangig Land- und Forstwirtschaft)


Mindeststandard der Selbstverpflichtungserklärungen / Beschlüsse

  • Die Selbstverpflichtungserklärungen bzw. die Beschlüsse beinhalten eine Klausel, die besagt, dass kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut eingesetzt wird.
  • Die Laufzeit der Verpflichtung bzw. des Beschlusses beträgt mindestens ein Jahr.


Beispiel für eine GFR mit zusammenhängender Bewirtschaftungsfläche: die GFR Uckermark-Barnim

Karte der GFR Uckermark-Barnim
Quelle: Nischwitz / Kuhlicke 2004, IÖW Sondierungsstudie Gentechnikfreie Regionen

In der brandenburgischen Gentechnikfreien Region Uckermark-Barnim haben sich 44 Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 16.300 ha LF zusammengeschlossen. Die GFR wird zusätzlich von der staatlichen Forstwirtschaft (Forstämter Templin, Eberswalde) unterstützt. Bezieht man nun die um die Betriebe liegenden Wald-, Wasser- und Freiflächen mit ein, so umfasst die GFR nach Berechnungen des Landesumweltamtes eine Gesamtfläche von ca. 120.000 ha.

Bezogen auf die Gesamtfläche (455.000 ha) und landwirtschaftliche Nutzfläche (238.005 ha LF) der Landkreise Uckermark und Barnim als Bezugsraum liegen die Flächenanteile der GFR zwar deutlich unter der Grenze von zwei Dritteln. Dennoch wird aus der regionalen Karte sichtbar, dass die GFR über eine zusammenhängende Bewirtschaftungsfläche verfügt. Kerngebiete sind das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin und der Naturpark Uckermärkische Seen. Aus diesem Grund wird die GFR als flächendeckend eingeordnet.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInfos zur GfR Uckermark-Barnim


Beispiel für eine GFR mit erreichtem Flächendeckungsgrad: GFR Landolfshausen

Die Gemeinde Landolfshausen im Landkreis Göttingen verfügt über eine Gesamtfläche ohne Küstengewässer von 1.622 ha, enthalten sind darin Flächen für die Land- und Forstwirtschaft mit einer Größe von 1.535 ha Lf.

In einer Selbstverpflichtungserklärung verpflichteten sich alle zwölf ansässigen Landwirte zu einer gentechnikfreien Bewirtschaftung ihrer Flächen. Diese bearbeiten rund 1.000 ha der landwirtschaftlichen Fläche. Zuzüglich der Flächen der Forstwirtschaft, die ebenfalls von diesen Landwirten verwaltet und damit von Gentechnik freigehalten werden, ergibt sich mit über 1.250 ha eine Flächendeckung von rund 80% bezüglich der gesamten Forst- und Landwirtschaftsfläche bzw. von rund 77% bezüglich der gesamten Gemeindefläche Landolfshausen, die in diesem Fall den Bezugsraum darstellt.

Deutlich mehr als 2/3 der Fläche des Bezugsraumes fallen damit auf die Gentechnikfreie Region. Die GFR Landolfshausen kann also entsprechend in die Kategorie Gentechnikfreie Region (GFR) eigeordnet werden.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInfos zur GFR Landolfshausen

Meldung des Tages

29.07.10 17:00

Gentechnik-Kartoffel der BASF vom Acker geholt

Sechs Aktivisten entfernten heute Gentechnik-Kartoffel-Pflanzen vom Acker und packten sie in Säcke...


6. Europäische Konferenz gentechnikfreier Regionen

Logo der 6. Europäischen Konferenz der gentechnikfreien Regionen.

Vom 16. bis 18. September treffen sich im Europäischen Parlament in Brüssel Vertreterinnen und Vertreter lokaler, regionaler und nationaler Initiativen und Organisationen, von Bauern, Umwelt- und Naturschutz, Verbrauchern, Unternehmen und kritischer Wissenschaft. Sie diskutieren gemeinsame Strategien und Aktionen gegen die Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung. Wir erwarten rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Mitgliedstaaten der EU und umliegenden europäischen Ländern sowie Gäste aus China, Indien, den USA, Japan und Afrika. Und wir erwarten Sie!


[mehr]

Film: Vergiftetes Land

Der Anbau von gentechnisch veränderter Soja in Südamerika hat verheerende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Eine Spur der Zerstörung zieht sich von europäischen Massentierhaltungen bis in die Wälder Südamerikas. Dort vernichten riesige Sojaplantagen, die für die Fütterung europäischer Hühner, Kühe und Schweine benötigt werden, die einheimische Fauna und Flora. 

Der neue 12-minütige Online-Dokumentarfilm "Vergiftetes Land" schildert diese Zusammenhänge eindringlich.
 

Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster[mehr]

Bundesrepublik Deutschland

  • Gentechnikfreie Regionen/ Initiativen: 198
  • Beteiligte Landwirte: 29.817
  • Landwirtschaftliche Fläche: 1.074.409 ha
  • Stand: 19.07.10

  • Zahlen | Fakten | Analysen

Gentechnikfreie Kommunen/ Landkreise

  • Anzahl Kommunen: 235
  • Stand: 22.07.10
Schnitzel als Deutschlandkarte mit Aufdruck "ohne Gentechnik"

 

Edeka will das neue Siegel „ohne Gentechnik" nicht einsetzen. Entlassen Sie Deutschlands größten Lebensmittelhändler nicht aus der Verantwortung. Fordern Sie weiter Lebensmittel „ohne Gentechnik"!

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster[mehr]

Metanavigation:
Home