Gentechnikfreie Regionen in Deutschland

Gentechnikfreie Bundesländer in Deutschland

Dreizehn von sechzehn Bundesländern und Stadtstaaten arbeiten gegenwärtig daran, Gentechnik in der Landwirtschaft auszuschließen.

Kein Anbau von Gentech-Pflanzen auf landeseigenen Flächen

Über die Aufnahme einer „Gentechnik-Ausschlussklausel“ in die Pachtverträge kann ein Bundesland verbindlich festlegen, dass auf den eigenen Flächen kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut verwendet werden darf. Umgesetzt wurde dies bisher in Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg. Niedersachsen will für ein Verbot der Agro-Gentechnik auf landeseigenen Flächen sorgen.

Beitritt ins Europäische Netzwerk Gentechnikfreier Regionen

Das Netzwerk tritt für das Recht einzelner europäischer Regionen auf eine gentechnikfreie Landwirtschaft, den Schutz von traditionellem und ökologischem Saatgut vor gentechnischer Kontamination und die Etablierung des Verursacherprinzips („the polluter pays principle“) ein. Diese Forderungen werden in der „Charta von Florenz“ festgehalten. Mit Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen, Bayern, Hessen, Bremen und Hamburg haben elf Bundesländer die Charta gezeichnet und sind damit dem Netzwerk beigetreten.

  • 2003: Beitritt von Schleswig-Holstein
  • 2005: Austritt von Schleswig-Holstein
  • 17. Juni 2010: Beitritt von Thüringen
  • 10. Oktober 2011: Beitritt von Nordrhein-Westfalen
  • 31. Juli 2012: Erneuter Beitritt von Schleswig-Holstein
  • 11. Oktober 2012: Beitritt von Baden-Württemberg
  • 22. Mai 2013: Beitritt vom Saarland und Rheinland-Pfalz
  • 29. Januar 2014: Beitritt von Niedersachsen
  • 10. April 2014: Beitritt von Bayern
  • 21. Mai 2014: Beitritt von Hessen
  • 5. Mai 2015: Beitritt von Bremen
  • 7. Mai 2015: Beitritt von Hamburg

Bekenntnis zur Gentechnikfreiheit

Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen, Hessen, Bayern und Brandenburg bekennen sich zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft. Hamburg bekennt sich darüber hinaus zu einem gentechnikfreien Gartenbau.

Gentechnikfreie Produktion als Standortvorteil

Unter Hessens Qualitätsmarke dürfen nur solche Produkte vermarktet werden, die nicht nach den Kennzeichnungsvorschriften als gentechnisch verändert ausgewiesen werden müssen. Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg wollen ein eigenes Qualitätszeichen mit dem Ohne Gentechnik-Standard einführen. In Baden-Württemberg sollen spätestens zum 1. Januar 2015 alle Produkte, die das "Qualitätszeichen Baden-Württemberg" tragen, nach dem Ohne Gentechnik-Standard produziert werden. Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Bayern sehen in einer gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft ebenfalls eine Chance, die Regionalwirtschaft zu stärken.

Gentechnikfreie Produkte im öffentlichen Sektor

Hamburg strebt in einigen öffentlichen Einrichtungen die ausschließliche Verwendung gentechnikfreier Lebensmittel an und hat erreicht, dass die Geschäftsführungen der Internationalen Bauausstellung (IBA) und der Internationalen Gartenschau (igs) nur gentechnisch unbehandelte Produkte präsentieren wollen. In Baden-Württemberg wird auf Anordnung in den Landesanstalten Aulendorf und Boxberg ausschließlich gentechnikfrei gefüttert.

Gentechnik-Kennzeichnung

Niedersachsen und Rheinland-Pfalz unterstützen die Ohne Gentechnik-Kennzeichnung, die die Verwendung von gentechnisch veränderten Produkten für die Erzeugung tierischer Lebensmittel ausschließt. Baden-Württemberg setzt sich für eine strenge und umfassende Kennzeich-nungspflicht und Kontrolle gentechnisch erzeugter Nahrungs- und Futtermittel ein. Hamburg wird klare Kennzeichnungsregeln und das Ohne Gentechnik-Siegel bei Lebens- und Futtermitteln unterstützen.

Nulltoleranz - gegen gentechnische Verunreinigungen

Für eine umfassende Nulltoleranz, d.h. gegen eine gentechnische Verunreinigung von Futter- und Lebensmitteln mit nicht zugelassenen GVO und für eine hundertprozentige Saatgutreinheit, machen sich Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in einem Antrag an den Landtag stark.

Gentechnik-Recht

Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wollen sich im Bundesrat gegen eine weitere Lockerung des Gentechnikgesetzes und für die Anwendung des Verursacherprinzips stark machen. Thüringen will auf Bundes- und Landesebene einen Rechtsschutz für die gentechnikfreie Landwirtschaft erwirken und setzt sich wie Schleswig-Holstein und Brandenburg dafür ein, dass nationale Anbauverbote ausgesprochen werden können. Rheinland-Pfalz setzt sich für ein deutlich verbessertes Zulassungsverfahren ein und unterstützt wie das Saarland die rechtliche Absicherung der gentechnikfreien Regionen. Hamburg wird sich einsetzen für die Gentechnikfreiheit in Landwirtschaft und Gartenbau (EU- und Bundesebene), eine Überarbeitung des europäischen EU-Zulassungsverfahrens (speziell der Risikobewertung) und für die Etablierung des Verursacherprinzips. Der Stadtstaat spricht sich darüber hinaus für eine bundeseinheitliche Umsetzung der nationalen Anbauverbote aus.

Ausschluss von Gentech-Anbau in Naturschutzgebieten

Rheinland-Pfalz plant, den Schutz von Naturschutzgebieten vor gentechnischer Kontamination in das Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) aufzunehmen. Baden-Württemberg beschließt, dass Gentech-Pflanzen einen Abstand von 3 Kilometern zu den Außengrenzen von Naturschutzgebieten und den Kern- und Pflegezonen des Biosphären-gebiets einhalten müssen. Hamburg will prüfen lassen, ob und wie in Naturschutzgebieten der Anbau und die Freisetzung von Gentech-Pflanzen unterbunden werden kann.

Keine Patente auf Leben

Bayern und Brandenburg sprechen sich gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus. Rheinland-Pfalz spricht sich zusätzlich auch gegen Patente auf biologische Zuchtverfahren aus.

Gentechnikfreie Tierzucht

Baden-Württemberg befürwortet eine gentechnikfreie Tierzucht. Rheinland-Pfalz und Bayern lehnen das Klonen von Tieren ab.

Forschung

Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz wollen keine Mittel für die Agro-Gentechnikforschung bereitstellen. Thüringen will in die Erforschung von gentechnikfreien Alternativen im konventionellen und ökologischen Landbau investieren. In Mecklenburg Vorpommern soll gezielt Risikofolgen-abschätzung betrieben werden. Hamburg will Forschungs-ansätze zur Vermeidung von Gentechnik in Landwirtschaft und Gartenbau fördern.

Förderung regionaler Initiativen zur Gentechnikfreiheit

Hamburg fördert bereits bestehende Initiativen, z.B. zu gentechnikfreien Futtermitteln.

(Stand: 20. Mai 2015)

Die Entschlüsse spiegeln den politischen Willen der jeweiligen Landesregierung wider. Will ein Landwirt dennoch Gentech-Pflanzen anbauen, kann er das auf seinem eigenen Grund und Boden tun. Voraussetzung: Die Pflanze ist zum Anbau zugelassen. Diese Bedingung wird in Deutschland zurzeit von keiner Gentech-Pflanze erfüllt.

Hier finden Sie eine Übersicht über die gentechnikfreien Bundesländer in Deutschland und ihre jeweiligen Beschlüsse. Klicken Sie auf ein Bundesland, um mehr Informationen zu bekommen.

Meldung des Tages

20.05.15 12:35

Weitere Baumärkte streichen Glyphosat

Zwei der größten Handelsketten der Schweiz, Coop und Migros, wollen das Unkrautvernichtungsmittel...


GVP in der Anbau-Pipeline

In unserer Übersicht erfahren Sie, welche Gentech-Pflanzen (GVP) sich noch in der Anbau-Pipeline für die EU befinden, welche Anträge auf Anbauzulassung zurückgezogen wurden und welche Anbauzulas-sungen nicht mehr gültig sind.

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Bundesrepublik Deutschland

  • Gentechnikfreie Regionen/ Initiativen: 214
  • Beteiligte Landwirte: 31.913
  • Landwirtschaftliche Fläche: 1.181.557 ha
  • Stand: 30.10.14

  • Zahlen | Fakten | Analysen

Gentechnikfreie Kommunen/ Landkreise

  • Anzahl Kommunen: 344
  • Stand: 30.10.14

TTIP & CETA: sEBI

Die Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) und mit Kanada (CETA) bergen zahlreiche Risiken. Im Bereich der Gentechnik droht eine Aushöhlung der Gentech-Kennzeichnungspflicht in der EU. Ein breites Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen hat sich unter dem Namen "TTIP unfairhandelbar" zusammengeschlossen und fordert über eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) den Stopp der Verhandlungen. Da die Europäische Kommission die EBI abgelehnt hat, zieht das Bündnis nun vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH). An der selbst-organisierten EBI (sEBI) können Sie online teilnehmen.

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